Fragen und Antworten
Weitere Informationen zu Bipolare Störungen
Wie werden Bipolare Störungen eingeordnet?
Bipolare Störung - zwischen Depression und Manie
Als Ursachen wird eine starke genetische Verankerung angenommen, zudem können organische Erkrankungen und bestimmte Medikamente eine Bipolare Störung auslösen.
Die Diagnose erfolgt anhand der Symptome, nicht selten gibt es Verwechslungen mit unipolar verlaufenden Depressionen oder Schizophrenien.
Die Behandlung besteht in einem Gesamtbehandlungsplan, der zumindest Medikamente (Phasenprophylaktika), Psychotherapie und komplementäre Therapie sowie Sozialtherapien umfasst.
Die BP-Störungen sind v.a. durch (meist langjährige) Medikamentenbehandlung und Psychotherapie stabilisierbar, eine komplette Recovery ist dagegen weniger häufig. In den depressiven Phasen besteht ein hohes Suizidrisiko, eine frühe Erkennung und Therapie ist daher besonders wichtig.
Was ist die Prävalenz und der Verlauf bei Bipolaren Störungen?
Bipolare Störungen gehören zu den häufigen psychischen Erkrankungen. In der Allgemeinbevölkerung wird das Risiko, im Verlauf des Lebens an einer Bipolaren Störung zu erkranken, auf etwa 1.5% für die BP-I-Störung (Manien und Depressionen) und auf 1-3 % für die BP-II-Störung (Depressionen und Hypomanien) geschätzt. Genaue Prävalenzdaten zur Zyklothymia liegen nicht vor, es handelt sich eher um eine selten diagnostizierte Störung.
Bei Bipolaren Störungen wechseln Phasen von Manie/Hypomanie und Depression, bei manchen Patienten liegen allerdings mehrere Monate oder sogar Jahre zwischen depressiven und manischen Phasen. Dazwischen ist ihre Stimmungslage ausgeglichen („euthym“). Etwa 15% der Betroffenen erleben ausschließlich manische und gar keine depressiven Phasen. Bei mehr als der Hälfte der Patienten mit BP-Störung beginnt die Erkrankung mit einer depressiven Phase. Erst im weiteren Verlauf treten dann manische oder hypomane (leicht manische) Phase auf; dies macht die Diagnose besonders schwierig (Unterscheidung „unipolare“ vs. „bipolare“ Depression).
Häufig treten erste Symptome einer Bipolaren Störung zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf. In seltenen Fällen können die ersten Krankheitsepisoden auch schon bei Jugendlichen vorkommen. Bei Menschen, die nach dem fünfzigsten Lebensjahr an einer Manie erkranken, ist eine Bipolare Störung eher unwahrscheinlich, jedoch nicht ausgeschlossen. In diesen Fällen ist die zugrunde liegende Ursache oft eine neurologische oder internistische Erkrankung, Alkohol- oder Drogenmissbrauch oder auch eine Medikamentennebenwirkung. Bipolare Störungen betreffen Männer und Frauen zu gleichen Teilen, wobei die Erkrankung bei Männern eher mit manischen Episoden und bei Frauen eher mit depressiven Episoden beginnt.
Was sind Ursachen und Risikofaktoren für Bipolare Störungen?
Biologische und psychologische Zusammenhänge
Die biologischen und psychologischen Zusammenhänge bei Bipolaren Störungen sind noch weitgehend unbekannt. Ein hohes genetisches Risiko (familiäre Häufung) gilt hingegen mittlerweile als belegt, ebenso die (genetische) Nähe von bipolaren Störungen zu schizoaffektiven und schizophrenen Psychosen.
Genetische Ursachen
Aus Familien- und Zwillingsstudien ist bekannt, dass genetische Faktoren (mehrere Gene) an der Entstehung einer Bipolare Störung beteiligt sind. So werden Kinder eines erkrankten Elternteils mit zehnprozentiger Wahrscheinlichkeit ebenfalls manisch-depressiv. Liegt eine Bipolare Störung bei beiden Elternteilen vor, steigt die Erkrankungswahrscheinlichkeit sogar auf bis zu 50 Prozent.
Neurotransmitter
Möglicherweise liegt bei BP-Störungen ein Ungleichgewicht der Aktivität von Botenstoffen im ZNS vor (v.a. Noradrenalin, Dopamin), ebenso wird eine Störung des zellulären Calciumstoffwechsel in Neuronen diskutiert.
Psychosoziale und somatische Faktoren
Während die ersten Episoden und Manien häufig ohne erkennbare Auslöser erfolgen, finden sich bei späteren depressiven Episoden häufig Belastungsfaktoren als Auslöser (nicht „Ursache“) depressiver Episoden. Schwere körperliche Krankheiten, aber auch hormonelle Umstellungen können das Risiko für Bipolare Störungen (Episoden) erhöhen.
Medikamente
Manche Medikamente und Drogen können – bei entsprechender Veranlagung – im Extremfall eine Bipolare Störung auslösen (z.B. Cortison, Methylphenidat, Antiparkinsonmedikamente, aber auch Alkohol, LSD, Marihuana und Kokain).
Wie erfolgt die Diagnostik bei Bipolaren Störungen?
Identifizierung Bipolarer Störungen
Bipolare Störungen sind nicht leicht zu diagnostizieren, weil sie mit anderen psychischen Störungen wie einer unipolaren Depression oder Schizophrenien verwechselt werden kann. Da v.a. hypomane Phasen sowohl von Betroffenen als auch von Angehörigen und Freunden häufig lediglich als „Laune“ oder „aufgedrehte Stimmung“ interpretiert werden, dauert es oft Jahre, bis eine richtige Diagnose gestellt wird. Daher ist vor allem die BP-II-Störung schwer zu erkennen.
Grundlage der Diagnostik ist gleichwohl die sorgfältige Anamnese (einschließlich Familien- und Medikamentenanamnese) unter Einbeziehen von Partnern und Bezugspersonen. Bei entsprechendem Verdacht ist empfehlenswert, Kontakt zu einem Facharzt oder einer Klinik aufzunehmen.
Zum Ausschluss organischer Ursachen dienen neben der körperlichen Untersuchung auch Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren. Wenn bipolare Störungen nach dem 50. Lebensjahr erstmals auftreten, ist eine sorgfältige organische Abklärung immer erforderlich.
Durch eine frühzeitige Diagnostik und Einleitung einer Therapie können folgende Risiken gemindert werden:
- Vermeidung von Suizidversuchen (v.a. BP-II-Störunen), v.a. zu Beginn der Erkrankung ist das Suizidrisiko in depressiven Phasen sehr hoch.
- Vermeidung von Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmissbrauch
- Bei ungefähr der Hälfte aller Erkrankten finden sich Hinweise auf den Missbrauch von Alkohol, Drogen oder Medikamenten. Häufig werden die unterschiedlichen Substanzen zur "Selbsttherapie" eingesetzt. Patienten versuchen dadurch ihren Leidensdruck zu reduzieren und können dabei in die Abhängigkeit geraten.
- Vermeidung von Beziehungskonflikten und Erhaltung der Arbeitsfähigkeit: Je schneller die Betroffenen behandelt werden, desto höher ist die Chance, dass eine bestehende Partnerschaft nicht unter dem Druck der Erkrankung zerrüttet wird und die Arbeitskraft des Erkrankten erhalten bleibt.
- Vermeidung von falschen Behandlungsmethoden: u.U. werden Medikamente eingesetzt (Antidepressiva), die zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes führen (Auslösen von manischen Episoden)
Welche Behandlungsansätze und Prognose gibt es bei Bipolaren Störungen?
Optionen eines Gesamtbehandlungsplans
Zur Behandlung von Patienten mit Bipolaren Störungen im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans stehen mehrere Optionen zur Verfügung. Die Behandlung Bipolarer Störungen verfolgt drei Ziele: Akutbehandlung und Symptomkontrolle, Erhaltungstherapie (Remissionserhaltung) und Rückfallprophylaxe (Phasenvorbeugung).
Akutbehandlung
In der Akutbehandlung gilt es, die Symptome der momentanen manischen, hypomanischen, depressiven oder gemischten Krankheitsepisode zu mildern und zu kontrollieren, den akuten Leidensdruck zu reduzieren und die Krankheitseinsicht des Patienten wiederherzustellen. In dieser Phase der Behandlung kommen abhängig von der Schwere und den Symptomen vor allem verschiedene Medikamente (Stimmungsstabilisierer, Antipsychotika, Kriseninterventionsmedikamente) zum Einsatz.
Erhaltungstherapie
Wenn eine deutliche Besserung der Krankheitssymptome eingetreten ist, wird in der Erhaltungstherapie der Patienten weiter stabilisiert und die optimale medikamentöse Therapie für den Patienten gesucht. Gleichzeitig kann bereits mit einer unterstützenden Psychotherapie begonnen werden.
Rückfallvorbeugung (Prophylaxe)
Hat sich die Stimmungslage des Patienten wieder "normalisiert", sollten langfristig weitere Krankheitsepisoden verhindert werden. Ziel ist auch, den Patienten so vollständig wie möglich sozial und beruflich wieder einzugliedern. Die medikamentöse Therapie wird auf das zur Erhaltung der ausgeglichenen Stimmung notwendige Maß reduziert. Gleichzeitig soll der Patient durch verschiedene psychotherapeutische Maßnahmen lernen, mit seiner Krankheit umzugehen und eine beginnende Krankheitsepisode zu erkennen.
Dauer der Behandlung
Patienten und Angehörige müssen darüber aufgeklärt werden, dass eine Bipolare Störung im Regelfall das ganze Leben lang behandelt werden muss. Die Intensität der Behandlung kann dabei zwar unterschiedlich sein, aber ohne Behandlung wird eine dauerhafte Stabilisierung der Stimmung nicht möglich sein. Patienten mit Bipolaren Störungen leiden an einer anlagebedingten (genetischen) Anfälligkeit für diese Erkrankung und es gibt zurzeit noch keine Möglichkeit, diese genetische Anfälligkeit zu korrigieren. Die modernen Therapiemethoden können "nur" zu einer dauerhaften Unterdrückung dieser Anlage beitragen.