Fragen und Antworten
Weitere Informationen zu Essstörungen
Was sind die Symptome und Beschwerden bei Essstörungen?
Woran Eltern eine Essstörung ihres Kindes erkennen können
Bis ihre Essstörung als ernsthafte psychosomatische Krankheit begriffen wird, vergeht für die Betroffenen oft eine lange Leidenszeit. Auch wenn sie bereits ahnen sollten, dass bei ihnen eine Essstörung vorliegen könnte, verdrängen sie diesen Gedanken, verheimlichen zumeist sehr geschickt ihr gestörtes Essverhalten und streiten es gleichzeitig ihrem Umfeld gegenüber vehement ab, mit der Ernährung Probleme zu haben. Stattdessen präsentieren sie Vorwände, Ausflüchte oder Scheingründe, warum sie so „dünn“ aussehen.
Der Übergang vom auffälligen zum krankhaften Umgang mit Nahrung vollzieht sich in der Regel schleichend – und weil viele Betroffene damit beginnen, sich abzukapseln, werden ihre Essstörungen von Außenstehenden und sogar von Partnern und Familienangehörigen erst sehr spät bemerkt. Wenn überhaupt.
Körperbildgruppe
Eines der charakteristischen und belastendsten Symptome bei Essstörungen ist die Körperbildstörung. Bei der Körperbildtherapie in der Gruppe liegt der Fokus auf der Verbesserung des Körperbildes als Ergänzung zur regulären Einzeltherapie.
Was sind die Symptome bei Anorexia nervosa?
- Essen, Gewicht und Figur werden zum Lebensinhalt
- übertriebene Euphorie zu Anfang des Gewichtsverlustes
- Begeisterung über die eigene Disziplin und Kontrollfähigkeit
- Übergang von der Kontrollfähigkeit zum Kontrollzwang
- Müdigkeit; Kälteempfinden durch Mangelerscheinungen
- Herz- und Kreislaufprobleme
- Konzentrationsstörungen
- Haut- und Haarveränderungen (Ausfall)
- Risiko für Osteoporose
- hormonelle Störungen (insbesondere in der Pubertät)
- Störungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes durch regelmäßiges Erbrechen
- Nierenprobleme
Die Betroffenen können (oder wollen) diese zum Teil lebensgefährlichen Symptome jedoch nur selten einer Krankheit zuordnen, sondern empfinden die Lebensumstände zumeist als „völlig normal“. Besonders tragisch ist: Anorexia nervosa führt zu einem deutlich erhöhten Sterberisiko junger Menschen (insbesondere durch Suizid), das im Vergleich zu gesunden Menschen statistisch um das 18-Fache erhöht ist.
Welche Ursachen haben Essstörungen?
Wenn Menschen unter Essstörungen leiden, wird ihnen das zumeist erst dann bewusst, wenn die negativen Folgen für den Körper und die Psyche bereits gravierend sind. Sind Partner, Angehörige, Freunde oder gar das eigene Kind von einer Essstörung betroffen, machen sich neben Erschütterung und Sorge typischerweise große Hilflosigkeit und Unsicherheit breit. Deshalb ist eine genaue Aufklärung so wichtig: Die Betroffenen und ihre Angehörigen sollten unbedingt wissen, dass es zahlreiche verschiedene Auslöser für Essstörungen gibt.
Auch bei der Binge-Eating-Störung kommt es zu einem anhaltenden Wechsel von symptomfreien Phasen mit Essanfällen und Diäten. Bei denjenigen, die vom Binge-Eating-Syndrom betroffen sind, liegt oft eine emotionale Störung vor: Mit der dysfunktionalen Nahrungsaufnahme kompensieren sie ihren Mangel und ihre Sehnsucht nach Zuwendung, Verständnis oder Mitgefühl. Da die Essanfälle jedoch nicht von Hungergefühlen ausgelöst werden, können viele Betroffene danach nicht erklären, was der eigentliche Auslöser der „Fressattacke“ war. Es scheint, als habe die Störung die Kontrolle über das Essverhalten übernommen.
In den Therapiegesprächen wird unter anderem der bewusste Umgang mit Lebensmitteln vermittelt.
Die bekanntesten Auslöser für Essstörungen
Es gibt zumeist nicht „den einen“ Auslöser für Essstörungen – sondern mehrere Faktoren. Dazu gehören im Besonderen:
- Biologische Einflüsse: erbliche Veranlagung, gestörtes Essverhalten oder strenge Diäten im Kindesalter
- Psychische Einflüsse: Selbstunsicherheit / geringes Selbstwertgefühl, Unzufriedenheit mit Aussehen oder Figur, emotionale Instabilität, ausgeprägtes Leistungsstreben (Ehrgeiz)
- Gesellschaftliche Einflüsse: propagiertes Schönheitsideal, Vorbilder aus Medien, Film, Musik und Sport
- Traumatische Einflüsse: Trennung, Verlust von Freunden oder nahen Angehörigen, Umzug mit Aufgabe des sozialen Netzes, Hänseleien und Mobbing, schwere Erkrankungen
- Altersbezogene Einflüsse: Pubertät (Veränderungen der Körpergestalt), Beziehungs-, Schul- und Ausbildungsprobleme
- Sporteinflüsse: Leistungssport, speziell bei Sportarten mit Gewichtsklassen, aber auch Eiskunstlauf oder Skispringen
Weitere Zahlen:
- 5 Mio. Deutsche leiden an Essstörungen
- 20% gelten als adipös (stark übergewichtig)
- 50% aller Mädchen mögen ihren Körper nicht
Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).
Behandlungen und Therapien bei Essstörungen
Psychische Erkrankungen werden glücklicherweise immer seltener stigmatisiert, doch natürlich ist da noch Luft nach oben". Niemandem sollte es unangenehm sein, wegen einer Essstörung professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Überdies hat sich für die Betroffenen immer wieder bewährt, die ihnen nahestehende Menschen über ihre Essstörung zu informieren – das haben wir in vielen Gesprächen mit unseren Patientinnen und Patienten erfahren.
„'Dann iss doch einfach was!' – Wisst ihr, wie oft ich diesen Satz gehört habe, weil ich so ein Hungerhaken war? Die Leute reduzieren dich immer aufs Äußerliche, aber wenn du Normalgewicht hast, heißt das noch lange nicht, dass in dir drin alles in Ordnung ist."
Daniel B., 24 Jahre, Jura-Student, während einer Gruppentherapiesitzung in der Oberberg Fachklinik Rhein Jura
Aus Essstörungen kommt man von selbst nicht raus
Je früher beispielsweise eine Magersucht erkannt wird, umso größer ist die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung. Trotzdem sollten sich Patienten und Angehörige immer auf eine längere Therapiedauer einstellen.
Zuerst geht es darum, die offensichtlichen Symptome zu lindern und den Betroffenen ihre Erkrankung bewusst zu machen. Denn erst, wenn Essstörungen als solche erkannt und akzeptiert werden, sind die Patienten in der Lage, therapeutisch daran zu arbeiten, zu einem „gesunden“ Gewicht zurückzufinden und ihr Essverhalten nachhaltig zu normalisieren.
Die teilstationäre Behandlung
Bei einer teilstationären Behandlung (Aufenthalt in einer Tagesklinik) nutzen die Patienten tagsüber die medizinischen Einrichtungen in der Klinik und fahren abends wieder nach Hause. Daher sollte die Tagesklinik nicht allzu weit vom Wohnort entfernt sein. Eine teilstationäre Behandlung kann von Beginn der Therapie an erfolgen oder sich an einen stationären Aufenthalt als Nachsorge-Maßnahme anschließen. Das tagesklinische Setting ermöglicht, dass die Betroffenen weitgehend in ihrem Lebensumfeld verbleiben. Therapeutische Maßnahmen und Verhaltensänderungen können sofort in den Alltag übertragen und „geübt“ werden.
Die stationäre Behandlung
Ein wesentlicher positiver Aspekt einer vollstationären Therapie einer Magersucht (Anorexia nervosa) in einer unserer Oberberg Kliniken liegt darin, dass sich die Patienten so aus ihrem gewohnten häuslichen Umfeld für einen Zeitraum lösen, um Abstand zu ihrem Alltag und damit zu ihrem Krankheitsbild zu gewinnen. Die Klinik wirkt dann wie ein geschützter Raum, in dem das Leben jenseits der Erkrankung ohne störende Einflüsse von außen geübt und ausprobiert werden kann.
Auch bei akuten gesundheitlichen Gefahren oder wenn medizinische und pflegerische Unterstützung notwendig sein sollte, möchten wir Ihnen einen stationären Aufenthalt empfehlen, um von den Möglichkeiten einer besonders intensiven psychologischen Betreuung und vieler weiterer unterstützender therapeutischer Behandlungskonzepte zu profitieren. Es hat sich übrigens herausgestellt, dass es für viele Patienten sehr hilfreich sein kann, wenn sie erkennen, dass sie mit ihrer Essstörung nicht allein sind.
Die Dauer einer stationären Behandlung hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab; nicht zuletzt auch davon, welche Kosten von den Krankenkassen übernommen werden. Bei der Klärung dieser Frage sind wir Ihnen selbstverständlich gerne behilflich.
Aktuelle Patienten-Studien zeigen, dass die vollstationäre und die teilstationäre Behandlung einer Anorexia nervosa in etwa dieselben Erfolgsaussichten besitzen. Daher sollten Betroffene im Gespräch mit unseren Fachärzten entscheiden, welche der beiden Behandlungsformen in ihrem individuellen Fall besser geeignet sein könnte.
Die Therapie einer Bulimie entspricht im Wesentlichen der Behandlung einer Magersucht. Schwerpunkt ist zunächst das (Wieder-)Erlernen eines normalen Essverhaltens, um das natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl zu schulen. Parallel dazu begeben sich die Patienten gemeinsam mit ihren Therapeuten-Teams auf die Suche nach den möglichen Auslösern und Ursachen ihrer Bulimie, um daraus die notwendigen Strategien zu entwickeln und diese erlernten neuen Verhaltensweisen auch später in ihrem Alltag beizubehalten.
Leider kommt es bei Bulimikern jedoch häufiger zu Rückfällen als bei magersüchtigen Menschen. Deshalb möchten wir dieser Patientengruppe auch nach einer erfolgreichen Therapie eine längerfristige und regelmäßige Nachsorge und Kontrollen empfehlen.
Bei der Behandlung der Binge-Eating-Störung steht zunächst die Normalisierung des Essverhaltens bei einer gleichzeitigen kontrollierten Gewichtsabnahme im Vordergrund. Darüber hinaus sollen die Patienten versuchen, sich allen Faktoren bewusst zu werden, die zu ihrer Essstörung beigetragen haben könnten. Im optimalen Fall kann eine Binge-Eating-Störung ambulant behandelt werden, sodass sie ihre neu gewonnenen Erkenntnisse sofort im Alltag umsetzen können. Bei einer stärkeren Ausprägung oder einer vorhandenen Kombination mit anderen Erkrankungen empfehlen wir den Betroffenen jedoch einen stationären Aufenthalt mit anschließender ambulanter Nachsorge.